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Das Andachtsbuch der Marie de Gavre, Ms. nouv. acq. fr. 16251 der Bibliotheque Nationale von Paris, zahlt mit ehemals 90, heute 87 ganzseitigen Miniaturen zur Vita Christi und der Heiligen zu den bedeutendsten Bilderhandschriften des 13. Jahrhunderts. Es stellt den buchkunstlerischen Hohepunkt Nordfrankreichs und Flanderns in dieser Zeit dar.Kalendar- und Archivstudien erlauben es, die Erstbesitzerin um 1285, eine Nonne im Zisterzienserinnenkloster von Wauthier-Braine im belgischen Hennegau zu ermitteln, die damit in den kleinen Kreis adeliger Besitzerinnen exklusiver Bilderhandschriften gehort.Typologisch ist das Werk einzigartig, da es ausser einem lateinischen Kalendar und einer in franzosischer Sprache geschriebenen Miniaturenliste textlos ist. Die grosse Zahl von ganzseitigen Miniaturen ohne Text - mit Szenen in knapper aber pragnanter Formulierung und mit Compassio-Motiven - zeigt, dass die Handschrift als Bilderandachtsbuch konzipiert und benutzt wurde.Die Buchmaler, aus deren Werkstatt noch funf weitere Handschriften hervorgegangen sind, haben kaum im Kloster gearbeitet, sondern wohl in der Stadt Nivelles. Ihre Arbeit ist denn auch stark dem dort befindlichen beruhmten Gertrudenschrein verpflichtet. Die Untersuchung der Arbeitsablaufe hat gezeigt, dass die Herstellung des ausserordentlich reich illustrierten Codex fur die Kunstler keine alltagliche Aufgabe darstellte.Die monographische Darlegung des Bilderandachtsbuches erfolgt im Zusammenhang mit der Produktion illuminierter Handschriften in der Diozese Cambrai, die im Mittelalter mit Brabant und Hennegau einen betrachtlichen Umfang erreichte und stadtische Zentren wie Mons, Brussel und Mechelen umfasste.Die Monographie enthalt ausser einer kunsthistorischen und historischen Einordnung samtliche Miniaturen sowie ausfuhrliches Vergleichsmaterial in uber 200 Abbildungen.
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Das Andachtsbuch der Marie de Gavre, Ms. nouv. acq. fr. 16251 der Bibliotheque Nationale von Paris, zahlt mit ehemals 90, heute 87 ganzseitigen Miniaturen zur Vita Christi und der Heiligen zu den bedeutendsten Bilderhandschriften des 13. Jahrhunderts. Es stellt den buchkunstlerischen Hohepunkt Nordfrankreichs und Flanderns in dieser Zeit dar.Kalendar- und Archivstudien erlauben es, die Erstbesitzerin um 1285, eine Nonne im Zisterzienserinnenkloster von Wauthier-Braine im belgischen Hennegau zu ermitteln, die damit in den kleinen Kreis adeliger Besitzerinnen exklusiver Bilderhandschriften gehort.Typologisch ist das Werk einzigartig, da es ausser einem lateinischen Kalendar und einer in franzosischer Sprache geschriebenen Miniaturenliste textlos ist. Die grosse Zahl von ganzseitigen Miniaturen ohne Text - mit Szenen in knapper aber pragnanter Formulierung und mit Compassio-Motiven - zeigt, dass die Handschrift als Bilderandachtsbuch konzipiert und benutzt wurde.Die Buchmaler, aus deren Werkstatt noch funf weitere Handschriften hervorgegangen sind, haben kaum im Kloster gearbeitet, sondern wohl in der Stadt Nivelles. Ihre Arbeit ist denn auch stark dem dort befindlichen beruhmten Gertrudenschrein verpflichtet. Die Untersuchung der Arbeitsablaufe hat gezeigt, dass die Herstellung des ausserordentlich reich illustrierten Codex fur die Kunstler keine alltagliche Aufgabe darstellte.Die monographische Darlegung des Bilderandachtsbuches erfolgt im Zusammenhang mit der Produktion illuminierter Handschriften in der Diozese Cambrai, die im Mittelalter mit Brabant und Hennegau einen betrachtlichen Umfang erreichte und stadtische Zentren wie Mons, Brussel und Mechelen umfasste.Die Monographie enthalt ausser einer kunsthistorischen und historischen Einordnung samtliche Miniaturen sowie ausfuhrliches Vergleichsmaterial in uber 200 Abbildungen.